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So bringen Sie Diskussionen zur Berufs- und Lebensplanung in Gang

Die Posterreihe von Neue Wege für Jungs wurde konzipiert, um mit Jungen und jungen Männern zur geschlechtersensiblen Berufs- und Lebensplanung ins Gespräch zu kommen.

Die Poster sollen als Blickfang dienen und die Möglichkeit bieten:

  • das selektive Berufswahlverhalten männlicher Jugendlicher
  • traditionelle Männlichkeit und Rollenbilder,
  • Familien- und Haushaltskompetenzen
  • die berufliche aber auch persönliche Bedeutung sozialer Kompetenzen zu thematisieren.

Die lässige Haltung der Jungen und die provozierenden Sprüche auf ihren T-Shirts scheinen die Themen zunächst nicht zu berühren. Erst die Web-Adressen verdeutlichen die Botschaft der Poster, und die Sprüche auf den T-Shirts bekommen eine neue Bedeutung…

Das Poster zeigt Jungen mit kurzen schwarzen Haaren und roter Strähne, der mit seinen Daumen auf den Text: „Finger weg von meiner ALTEN!”, seines grünen T-Shirts zeigt. Die Webadresse www.coole-jungs-werden-Pfleger.de erklärt die Aussage des Posters.

Das Poster zur Berufswahl: „Finger weg von meiner Alten!“

Der Spruch „Finger weg von meiner Alten“ verweist nicht auf eine Freundin des Jungen, die nicht belästigt werden soll, sondern auf ältere Menschen, für die er sich engagiert und für die er sich mitverantwortlich fühlt. Im Beruf des Altenpflegers möchte er den Senioren und Seniorinnen unterstützend zur Seite stehen.

Noch ist dieses Engagement von Jungen und Männern im sozialen Dienstleistungsbereich selten anzutreffen: Nach wie vor sind Männer in den Erziehungs- und Pflegeberufen deutlich unterrepräsentiert und die Berufswünsche männlicher Jugendlicher beziehen sich überwiegend auf das Handwerk, den Handel und die Industrie. Obwohl es mehr als 350 anerkannte Ausbildungsberufe gibt, konzentrieren sich über 50 Prozent der Jungen auf nur rund 20 Berufe.

Damit das geschlechtstereotype und damit eingeschränkte Berufswahlspektrum von Jungen erweitert werden kann, sollten sie mit Berufsfeldern in Kontakt kommen, in denen Männer unterrepräsentiert sind, z. B. am Boys'Day - Jungen-Zukunftstag.

Darüber hinaus könnten die Männer aus diesen Arbeitsbereichen interviewen, sich über die Berufsbilder und Ausbildung informieren, Männer mit untypischen Biografien zu Gesprächsrunden einladen oder den Film „.. Eigentlich wollte ich Fußballprofi werden“ zeigen und diskutieren.

Das Poster zeigt einen Jungen mit Cappy, die Hände auf seinem Rücken verschränkt. Auf seinem weißen T-Shirt steht: „Hast du´n PROBLEM? - die Webadresse www.coole-jungs-nehmen-Rücksicht.de erklärt was damit gemeint ist.

Das Poster zu den Sozialkompetenzen: „Hast du’n Problem“?

Die Frage „Hast du’n Problem?“ stellt im jugendlichen Sprachgebrauch in der Regel kein ernsthaftes Interesse für die Befindlichkeit einer anderen Person dar, sondern eine Provokation, der manchmal auch eine körperliche Auseinandersetzung folgt.

Der Junge auf dem Poster meint es hingegen ernst. Ihn interessiert tatsächlich, ob jemand Probleme hat und ob er helfen kann. Er nimmt Rücksicht. Manchen Jungen fällt es schwer, ernsthaft nachzufragen und zuzuhören, Unterstützung anzubieten, Konflikte friedlich und konstruktiv zu bewältigen oder Rücksicht zu nehmen. Viele dieser Eigenschaften werden gesellschaftlich als „weiblich“ identifiziert und gelten somit als „unmännlich“.

Gleichzeitig erhöhen die sogenannten „Soft-Skills“ (Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft sowie Konflikt- und Empathiefähigkeit) die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und sind auch im privaten Kontext äußerst wichtig. Es lohnt sich, soziale Kompetenzen von Jungen zu fördern.

Mögliche Aktionen mit Jungen
Angebote aus der Erlebnispädagogik, Rhetorikübungen, Theaterworkshops, Selbstbehauptungs- und Konflikttrainings, usw. helfen, diese Kompetenzen der Jungen auszubauen.

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Das Poster zu den männlichen Rollenbildern: „Geh mir nicht an die Wäsche“

„Geh mir nicht an die Wäsche“ wird im jugendlichen Alltagsverständnis als Synonym verwendet, um körperliche Distanz zu wahren. Der Junge auf dem Poster meint es aber wortwörtlich und unterstreicht mit dem T-Shirt seine Selbstständigkeit in Dingen des Alltags. Er kümmert sich z.B. selbst um seine Wäsche und leistet seinen Beitrag zur Erledigung der Hausarbeit.

Die Zukunftsplanung vieler männlicher Jugendlicher ist nach wie vor sehr einseitig auf Erwerbsarbeit ausgerichtet, die Bereiche Haus- und Familienarbeit finden kaum Berücksichtigung. Jungen in ihren Alltagskompetenzen zu stärken, trägt zu einer gerechteren Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männer bei und entlastet Jungen von dem Druck der Alleinernährer einer Familie sein zu müssen.

Mögliche Aktionen mit Jungen:
Gesprächsrunden mit Hausmännern, Interpretationen und Analysen von Männer- und Frauenbildern in der Gesellschaft, Interviews zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Rollenspiele, biographische Arbeiten, etc. bieten die Möglichkeit, mit Jungen stereotype Männlichkeitsbilder zu hinterfragen.

Einsatz der Poster

Die Poster wurden an einem zentralen Ort einer Institution aufgehängt: Am Schwarzen Brett in der Schule, im Klassenzimmer oder Jugendzentrum, in der Beratungsstelle etc. Nachdem mit den Kollegen und Kolleginnen über die Hintergründe gesprochen wurde, sollten Anlässe geschaffen werden, mit Jungen über die Berufs- und Lebensplanung ins Gespräch zu kommen. Als hilfreich stellte sich hierbei neben Gesprächs- und Diskussionsrunden auch die Ansprache der Erlebnis- und Erfahrungsebene der Jungen dar.

Im Kollegium und gemeinsam mit den Jungen (und Mädchen) sollte überlegt werden, wie die geschlechtsbezogene Berufs- und Lebensplanung in der Institution stärker als Thema verankert werden könnte.